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Kreatives Lernen im flow

Posted by medienseminar - Mai 9, 2010

Am Donnersag, den 6. Mai 2010 lud das Amt für Lehrerbildung (Mefobi@n) unter der Leitung von  Joachim Eisenträger zur Fortbildung „Kreatives Lernen im flow“ – Unterschätzte Chancen neuer Medien“ mit Prof. Dr. Burow in die Reinhardswaldschule Fulldatal ein. Prof. Burow hielt das Impulsreferat, welches hier als Audiostream vorliegt.

Im Anschluss fanden 3 Workshops statt, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich je nach Interessenlage einwählen und orientieren konnten.

Zum Impulsreferat – Kreatives Lernen mit neuen Medien

Lehner & Widmaier haben 1992 in einer Studie nachgewiesen, dass große Teile gegenwärtiger Schulbildung auf dem Konzept der fließbandmäßigen Massenproduktion des 20. Jahrhunderts beruhen. Mit der Globalisierung der Märkte und dem Aufkommen der „Wissensgesellschaft“  wird der flexible und effiziente Umgang mit Wissen zu einer Schlüsselqualifikation. Richard Florida (2002) sieht sogar die Vorherrschaft einer „Kreativen Klasse“ – bis zu einem Drittel der Arbeitnehmer der USA beschäftigen sich schon heute mit der Entwicklung von Neuem.

In dieser Situation kommt das Konzept der  Massenausbildung an seine Grenzen und sind veränderte Lehr/Lernkonzepte gefordert, die geeignet sind, die kreativen Potenziale von Einzelnen und Gruppen freizusetzen. Schulen die lediglich auf ein zu vermittelndes objektivierbares Wissen setzen geraten in Kritik. Sie werden insbesondere von konstruktivistisch beeinflussten Lernphilosophien in Frage gestellt, die von einem Konzept des situierten und individualisierten Lernens ausgehen. Gleichzeitig gewinnen kooperative und kollaborative Lernformen ebenso an Bedeutung wie die soziale Konstruktion der Wissensgenerierung.

Dies führt zu neuen Herausforderungen an die Pädagogik. Lernprozesse werden stärker als forschungsorientiertes Lernen organisiert. Anstelle von Vorgaben werden Probleme bearbeitet, über die die Lernenden gemeinsam nachdenken. Es geht nicht nur um das Finden und Entwickeln von Lösungswegen, sondern auch um das Entwickeln eigener Denkmodelle (metakognitive Kompetenz). Eine Voraussetzung für ein derartiges Verständnis von Pädagogik ist es, kreative Lernprozesse zu initiieren. Die Glücksforschung (Csikzentmilhalyi) hat – von der Hirnforschung bestätigt (Pöppel 2007) herausgefunden, dass erfolgreiche Kreative fähig sind, ihr Lernen als „flow“ zu organisieren: Ihnen gelingt es, ihre Begabungen und die Anforderungen der jeweiligen Aufgaben so zu koordinieren, dass Lernen, Entwickeln und Gestalten zu einer zwar anstrengenden, aber äußerst befriedigenden, ja lustvollen Aktivität werden.

Vor diesem Hintergrund bieten sich insbesondere für die Nutzung der Neuen Medien in der Schule interessante Perspektiven. Während häufig ein alarmistischer Diskurs bezüglich der Gefahren der Neuen Medien die Debatten dominiert, werden die Chancen, die sich durch die Eröffnung vielfältiger Erfahrungsräume ergeben, zu wenig beachtet. Ausgehend von dem oben skizzierten veränderten Grundverständnis besteht die Herausforderung darin, gemeinsam mit den Schülern eine Lernumgebung zu entwickeln, die es erlaubt, dass sich die kreativen Potenziale von Lernenden und Lehrenden  mit Unterstützung von Neuen Medien entfalten können. Wie dies methodisch umgesetzt werden kann wird anhand von Beispielen aufgezeigt. 

Hier kann man den Vortrag als pdf-Handout downloden: Vortrag Prof. Dr. Burow – Universität Kassel  (zum Herunterladen bitte den Link anklicken)

Hier kann man den Vortrag und die anschließende Diskussion zum Vortrag von Prof. Dr. Burow hören…

Vortrag Prof. Dr. Burow – Teil I – (zum Anhören bitte den Play-Button anklicken)

Vortrag Prof. Dr. Burow – Teil II – (zum Anhören bitte den Play-Button anklicken)

Teil III – Diskussion zum Vortrag – (zum Anhören bitte den Play-Button anklicken)

Audios, Texte und  pdf-Handout: Prof. Dr. Burow 

Zu den Workshops

Workshop 1:  „e-LearnQuests – das Neue WebQuest?“  wurde von  Jörn von Specht vom Studienseminar GHRF Eschwege geleitet. Nähere Informationen finden sich hierzu unter dem Artikel BlaufuchsQuest auf diesem Blog.

Workshop 2: Bei „Digital Storytelling 2.5“ – Kollaborative und webgestützte Erzählversuche im Kreativen Feld vorgestellt von Matthias Heil vom Studienseminar für Gymnasien in Fulda ging es um flow-intendierende Bottom-Up-Verfahren, die danach trachten, mit Hilfe digitaler Werkzeuge Erzählungen auf fesselnde, einprägsame und emotional ansprechende Weise zu gestalten.

Diese Erzählungen sollten – wie ihre analogen Entsprechungen – in der Regel kurz, konzentriert, prägnant und häufig durch eine bestimmte persönliche Perspektive geprägt sein. So wurden diese mit Hilfe digitaler Werkzeuge Bilder, Text, Audio, Video und/oder Musik gemischt. Die Themen für digitale Erzählungen sind unerschöpflich, sie können persönliche Erfahrungen, das eigene Umfeld, Geschichtliches, bisher Unbekanntes und vielerlei mehr behandeln. – Das vielfältige und wachsende Angebot frei nutzbarer und zunehmend benutzerfreundlicher Webtools unterstützt Lernende jeden Alters bei der Realisierung einer solchen Erzählung, so dass sich der Schwerpunkt der Arbeit von der technischen Entwicklung hin zur inhaltlichen Gestaltung verschiebt – insbesondere dann, wenn zum Standard werdende Kollaboration unterstützende Tools an verschiedenen Stellen in den Prozess eingeflochten werden. 

Der Workshop bot einen kurzen Überblick über wesentliche Elemente des Digital Storytelling und stellte prozessbegleitende Steuerungs- wie Evaluationsmöglichkeiten sowie einen nach Anspruchs-/Leistungsniveau ausdifferenzierten Pool von frei nutzbaren Materialquellen und Webtools zur Verfügung.

Workshop 3:  Texte vertonen mit audacity – wurde von Stephanie Bachmann und Michael Röhrig vom Studienseminar Marburg geleitet

Im Zentrum des Workshops stand die Vertonung von Texten mit dem schon seit langem erprobten und kostenlosen, digitalen Audioaufzeichnungs- und -bearbeitungsprogramm audacity. Die Vertonung von Texten hat nicht nur als Form der Produkterstellung (u.a. für Aufnahmen von inszenierter Rede, Gedichtvertonungen, Berichten oder Diskussionen, Podcasts etc.) im Rahmen eines handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts an Bedeutung gewonnen, sondern gilt zusehends auch als eine Methode zur Förderung der Lese- bzw. Texterschließungskompetenz, und dies nicht nur in dem Fach Deutsch. Der Einsatz von audacity eignet sich deshalb auch hervorragend für andere Fächer, in denen die Arbeit mit Texten (Rezeption und Produktion) im Mittelpunkt der unterrichtlichen Arbeit steht. Ziel des Workshops war es, die Teilnehmer/innen mit den Grundfunktionen des Programms vertraut zu machen und ihnen erprobte Unterrichtssequenzen (u.a. zu „Eine sachliche Romanze“ von Erich Kästner) vorzustellen.

Hinweis: Wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich darauf aufmerksam machen, dass sämtliche Inhalte innerhalb dieses Atrikels dem Urheberrecht unterliegen und somit geschützt sind.

Literatur: (wird noch überarbeitet)

  • Csikzentmilhalyi, M. (2007): Das Geheimnis des Glücks; Klett-Cotta; 13. Aufl.
  • Florida, R. 2002
  • Lehner & Widmaier 1992
  • Pöppel 2007

Fotos und Moderation: vonspecht

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